Raik Knorscheidt - Regisseur - Autor

"Wehr Dich, Mathilda!"

nach Motiven des gleichnamigen Romans von Annika Holm.

Die Premiere fand am 8. November 2009 im DAS DA Theater Aachen statt.




Mathilda will von ihren Eltern nicht mehr zur Schule gebracht werden.


Denn dort wird sie von dem rabiaten Rico und der quirligen Yasemin als „Baby“ gehänselt und ist als „Petze“ verschrieen. Und die Lehrerin kommt immer genau im falschen Moment, wenn es wieder mal so aussieht, als sei Mathilda an allem schuld. Als Lurian neu in die Klasse kommt, schöpft Mathilda Hoffnung, endlich einen Freund zu finden. Doch auch Lurian wird von Rico eingeschüchtert und traut sich nicht, ihr zu helfen.

Aber dann fassen Mathilda und Lurian einen Plan, wie sie sich wehren können.



Besetzung:

Inszenierung - Tom Hirzt / Raik Knorscheidt
Ausstattung - Frank Rommerskirchen
Choreographie - Heike Aretz
Musik - Christoph Eisenburger

Mathilda - Patricia Rabs
Lurian - Jens Eisenbeiser
Jassemin - Ina Pappert
Rico - Mike Kühne
Mathildas Mutter - Karen Lauenstein
Frau Fried - Franziska Holitschke



Presse:

Aachener Zeitung, 11.11.2009

Körpereinsatz im Kreidestaub

„Wehr dich, Mathilda!“: DAS DA THEATER greift Mobbing in der Schule auf

Nach der Premiere steht fest: Mit dem Kinderstück „Wehr dich, Mathilda!“ wird das DAS DA THEATER noch mächtig Staub aufwirbeln. Was nicht zuletzt am Bühnenbild liegt. Dessen zentrales Element bildet eine riesige Tafel. Mit wenigen Kreidestrichen lässt das Ensemble dort die Schauplätze für die einzelnen Szenen entstehen. Den Schulhof, das Kinderzimmer, den Klassenraum.

Das wirbelt mächtig Kreidestaub auf, lässt den jungen Besuchern genügend Raum für die eigene Fantasie und den Darstellern viel Platz für die Handlung. Die ist alles andere als staubig. Das jugendliche Ensemble glänzt durch vollen Körpereinsatz. Da wird gesungen, gehüpft, gesprungen, dass sich die Bühnenbretter biegen. Das ist mitreißend und so vergeht die knappe Stunde wie im Flug. Dabei gelingt es Regisseur Tom Hirtz galant, die erkenntnisschwere Botschaft des Stückes dem Publikum auf spielerisch-leichte Weise mitzuteilen. Die einprägsamen Melodien (Christoph Eisenburger) tun ihr Übriges.

Ja, es geht um Mobbing.

Anfangs wirken die Späße, die sich Klassenkasper Rico (Mike Kühne), dessen Vormachtstellung sich auch an dem für ihn reservierten obersten Platz am Klettergerüst manifestiert, noch recht harmlos. Sind sie aber nicht. Denn die kleine Mathilda (Patricia Rabs) leidet unter den systematischen Drangsalierungen und Hänseleien, bei denen Rico auch von der opportunistischen Yasemin (Ina Pappert) unterstützt wird. Dass das alles kein Spaß mehr ist, wird spätestens klar, als Rico mit Mathildas Kleid die Tafel säubert und sie brutal zu Boden stößt.

Falsche Fürsorge

Auch Lurian (Jens Eisenbeiser), der neu in die Klasse kommt, arrangiert sich zunächst mit der bestehenden Situation. Er scheint einfach heilfroh, dass die Klasse bereits ein Mobbingopfer hat, weswegen dieser Kelch an ihm vorübergeht. Welche Eigendynamik das System zum Leidwesen von Mathilda mittlerweile entwickelt hat, entgeht auch der Klassenlehrerin (Franziska Holitschke), der generell ziemlich viel entgeht. Mathildas Mutter (Karen Lauenstein) ist auch keine Hilfe, sondern eher ein Paradebeispiel an falscher Fürsorge. Dass sie ihre Tochter nach wie vor Tag für Tag zur Schule bringt und von dort wieder abholt, mag gut gemeint sein. Mathildas Ansehen in der Klasse ist das aber weniger förderlich. Und als die Tochter sich der Mutter offenbaren will, hat die keine Zeit. Die einzige Botschaft, die sie Mathilda zwischen Tür und Angel mitteilen will: „Der Schwächere muss das tun, was der Stärkere sagt!“ Angenehmer Nebeneffekt der Darstellung beider Erwachsenen-Figuren: Das Stück kommt ohne erhobenen pädagogischen Zeigefinger aus.

So ist Mathilda auf sich allein gestellt. Na ja, nicht ganz. Lurian entdeckt doch noch sein schlechtes Gewissen und hilft dabei, einen Schlachtplan auszuarbeiten, um Rico am Klettergerüst richtig zum Affen zu machen. Der geht auch auf.
Nur der unsanfte Absturz war nicht eingeplant . . .




Aachener Nachrichten, Gerald Eimer


Mathildas Wut verwandelt sich in Mut

Aachen. «Super» - das ist das Wort, das den jungen Premierenbesuchern im Das-Da-Theater immer wieder über die Lippen kommt. «Wehr dich, Mathilda!» hat ihren Geschmack getroffen: Fetzig, witzig, schnell - und zu alledem auch noch lehrreich. Theaterchef Tom Hirtz und seine Crew hatten ganz augenscheinlich den richtigen Riecher für Stückauswahl und Inszenierung.

Entstanden ist «Wehr dich, Mathilda!» in der Ideenschmide für flotte Kinderstücke, dem Berliner Grips-Theater, nach einem Roman der schwedischen Erfolgsautorin Annika Holm. Das Das-Da-Theater bringt das 2007 uraufgeführte Stück nun in einer auf eine Stunde heruntergekürzten Fassung auf die Bühne, was vielen Schulen den Besuch oder eine Buchung sicher leichter fallen lässt.

Schnelle Wendung

Gleichwohl führt diese Kürzung aber auch dazu, dass einige Entwicklungen und Wendungen eine Spur zu schnell vollzogen werden müssen und manches etwas holzschnittartig rüberkommt. Den jungen Besuchern, vorwiegend Grundschüler, scheint das jedoch nichts auszumachen. Die Geschichte von Mathilda, die von ihrem Mitschüler Rico gemobbt und gehänselt wird, können sie offenbar gut nachvollziehen.

Rico, gespielt von Mike Kühne, hat dabei durchaus das Zeug, auch die Zuschauer für sich einzunehmen. Große Klappe, ein bisschen Klassenclown, stark - das kommt an. Auch bei Yasemin (Ina Pappert), die schnell dabei ist, wenn Rico mal wieder über Mathilda spottet und herfällt. «Ist doch alles nur ein Spaß», sagen sie und wollen nicht wahrhaben, was sie ihrer Mitschülerin antun.

Patricia Rabs spielt die terrorisierte Mathilda, die sich von ihrer gehetzten Mama (Karen Lauenstein) und der unaufmerksamen Lehrerin (Franziska Holitschke) missverstanden und unbeschützt fühlt. Sie hat Bauchschmerzen und will nicht mehr in die Schule. Sie weiß nicht, wie sie sich Hilfe suchen soll, weil sie keine Petze sein will. Erst als Lurian (Jens Eisenbeiser) in die Klasse kommt, findet sie die Kraft, sich zu wehren. Ihre Wut verwandelt sich allmählich in Mut

Ein Happy End steht am Ende des Stücks. Ältere mögen das etwas plakativ finden. Jüngere aber werdenn es zu schätzen wissen, dass Rico und Mathilda sich versöhnen und auch Eltern oder Lehrer Einsicht zeigen. Vor allem für die Nachbereitung im Unterricht finden Lehrer somit jede Menge Anregungen, das Thema Mobbing weiter zu behandeln und mögliche Gegenstrategien mit ihren Schülern zu erarbeiten.

Langeweile lässt «Wehr dich, Mathilda!» an keiner Stelle aufkommen. Insbesondere die vier Darsteller der Schüler Rico, Yasemin, Mathilda und Lurian haben jederzeit das Potenzial, ihr Publikum mitzureißen. Viel Musik und das ebenso originelle wie wandelbare Bühnenbild (Frank Rommerskirchen) tragen das Übrige zum Gelingen bei. Empfohlenes Alter: Sechs bis zwölf Jahre.