Raik Knorscheidt - Regisseur - Autor

     "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte"

Neurologische Oper von Michael Nyman.


Die Premiere fand am 19. Dezember 2002 im Staatstheater Braunschweig statt.


Die Produktion
"Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" wurde im Januar 2003  für den Götz-Friedrich-Preis nominiert.



musik. Leitung - Burkhard Bauche
Inszenierung - Raik Knorscheidt
Ausstattung - Antonia Fietz
Doktor P - Kai-Uwe Fahnert
Frau P - Yuka Matsuoka
Doktor S - Seung-Hyun Kim



Wüssten Sie, was visuelle Agnosie ist? Patienten, die darunter leiden „sehen und sehen doch nicht“: Sie sehen Farben, Linien, Konturen, einfache Formen, Muster, Bewegungen – sie sind jedoch nicht in der Lage, das, was sie sehen, zu erkennen oder Sinn darin zu finden.

Ein solcher Patient steht im Mittelpunkt der Oper „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“. Michael Nymen vertonte die gleichnamige Studie von Oliver Sacks.
Die erste neurologische Oper – die erste ihrer Art in der Geschichte der Neurologie wie auch der Oper.



In der Klinik stellt sich die Krankheit als Phänomen dar, d.h. man arbeitet die Krankheit in seiner äußeren Erscheinung heraus. Das Phänomen Krankheit, gepaart mit dem Willen des Neurologen, die Krankheit zu benennen und dem Willen Frau P’s die Krankheit zu verharmlosen. Zwischen diesen Gegenpolen befindet sich Doktor P, der sich seiner Krankheit nicht bewusst ist. Eine besondere Herausforderung ist es, eine Bewegungs- und Reaktionsform für Doktor P zu finden, die ihn nicht auf den ersten Blick als Kranken stempelt. Aus der Analyse seines Krankheitsbildes, welches sich dem Zuschauer und dem Neurologen erst nach und nach erschliesst, kann man ein Bewegungsmuster für Doktor P formen.

In das Bewegungsmuster Doktor P’s ist Frau P involviert, die immer wieder ihre helfende Hand reicht, um die Krankheit zu kompensieren und zu vertuschen. Frau P ersetzt Teile der Wahrnehmung Doktor P’s. Man fragt sich: warum? Als Hauptgrund würde ich Liebe setzen, aber unbewusst gibt es noch etwas. Seine Krankheit liefert Frau P ihre Existenzberechtigung. Doktor P hat sie nötig. Sie ist durch die Krankheit nicht mehr nur die Frau von Doktor P, sondern ein Teil von Doktor P.

Doktor S. erkennt, dass er Doktor P trotz seiner akribischen Untersuchung nicht helfen kann. Aber dieser Erkenntnisprozess hat für ihn zur Folge, dass er seine neuen Prinzipien einer biographischen Neurologie formuliert: Vom Was? zum  Wer?