Raik Knorscheidt - Regisseur - Autor

"xxx Sivvy - Das Ariel-Projekt"


Eine szenische Lesung unter verwendung verschiedenster Medien.


Die Premiere fand am 13. Juni 2001 am Oldenburgischen Staatstheater statt.





Stimme - Sabine Falkenberg
präpariertes Klavier - Raoul Grüneis
künstlerische Leitung - Raik Knorscheidt

Das Ariel-Projekt stellt einen Teil der Ariel-Gedichte in einer szenisch-musikalischen Lesung vor. Die 40 Gedichte wurden innerhalb zweier Monate geschrieben, Sylvia Plath unterlag in dieser Zeit einem enormen Inspirationsschub.


Sylvia Plath schuf mit ihren Gedichten Literatur von bleibendem Wert, die Kraft, welche zum Ausdruck kommt und die Art und Weise, in der sie einen Strich unter ihr bisheriges Leben zieht, lassen die Ariel-Gedichte zu einer Bilanz ihres Lebens werden. Sylvia Plath erreicht einen Punkt in ihrem Schaffen, der von den meisten Dichtern erst im hohen Alter erreicht wird, und somit stehen die Ariel-Gedichte nicht nur im Schaffen Sylvia Plaths, sondern auch literaturgeschichtlich einmalig da. Sie stellen ebenso ein Testament wie einen Neubeginn dar.


Die Ariel-Gedichte wurden nie von Sylvia Plath geordnet. Das Ariel-Projekt beschränkt sich zunächst nur auf die Gedichte, denen man ein Entstehungsdatum zuordnen kann. Die chronologische Ordnung der Gedichte soll den enormen Druck und die extremen Stimmungsschwankungen Sylvia Plaths verdeutlichen. Durch die Chronologie ist es möglich, die Gedichte in einer Dramaturgie zu erfassen, die an ihrem Scheitelpunkt mit dem Freitod, dem "komponierten Schweigen", endet.


Unterstützt wird diese Dramaturgie durch verschiede Medien.



Projektionen:
Zitate aus den "Briefen nach Hause", sie spielen im Leben Sylvia Plaths eine besondere Rolle, sie dienten vor allem als Projektionsfläche. In den Briefen beschrieb sie, wie sie sich fühlen wollte. Die Ariel-Gedichte, kombiniert mit den "Briefen nach Hause", schaffen einen Spannugsbogen, der es ermöglicht, ihre extremen Zustände am Ende ihres Lebens, die einer Schizophrenie gleichkommen, darzustellen.


Toneinspielungen: Originaltonmaterial mit der Stimme Sylvia Plaths wird immer wieder zu hören sein.


Live Musik: Musik von John Cage. Das Werk für präpariertes Klavier ist hervorragend geeignet, diese extremen seelischen Spannungen mittels technischer Irritationen zu unterstreichen.


Ein weiteres Anliegen des Ariel-Projektes ist es, ein vages, natürlich nur andeutungshaftes Bild der gesellschaftlich-künstlerischen Umgebung Sylvia Plaths zu umreißen. Daraus ergibt sich die Hypothese, daß Plath und Cage die avanciertesten Figuren in ihrem jeweiligen Bereich zu dieser Zeit in Nordamerika sind.

Erstaunlichste Parallele zwischen beiden ist die besondere Faszination beider von Orakelspielen. Cage nutzte das "I Ging", das Buch der Wandlungen, aktiv in seinen Kompositionen: per Zufallsprinzip wurden Töne aneinandergereiht, diese Verfahrensweise ging bis dahin, daß Cage alle Anweisungen per Zufall vom "I Ging" bestimmen ließ. Einer ähnlichen Verfahrensweise bediente sich Sylvia Plath: durch Zufall gefundene Wortneuschöpfungen, kaum ins Deutsche zu übersetzen, wurden teilweise nur noch als Ton-Geräusche verwendet. War Sylvia Plath vor Ariel der Form streng verbunden, so bricht sie diese weitesgehend auf, macht sich frei von den Zwängen des Metrums.

Das Aufbrechen des Wortes ins rein Musikalische bei Sylvia Plath entspricht dem Aufbruch der Musik ins Geräuschhafte bzw. im Gegenteil der Stille, dem "komponierten Schweigen", bei John Cage. Zu Beginn der 60er Jahre setzt bei Cage und bei Plath eine neue Schaffensperiode ein. Bei Cage setzt sie mit dem "Concert for Piano and Orchestra" ein und findet seinen Abschluß mit "HPSCHD". In diese Periode fallen Werke wie "Variations I-VI" und "Musik of Chances.