Raik Knorscheidt - Regisseur - Autor

"Greek"

Oper von Mark-Anthony Turnage


Die Premiere fand am 17.10.2002 in der Komischen Oper Berlin statt.


Die Produktion "Greek" erhielt den Förderpreis der Akademie Musiktheater heute.


Musikalische Leitung - Michael Bartosch
Regie - Raik Knorscheidt
Bühnenbild - Thomas Bruner
Kostüme - Ina Buschhaus


Eddy - Peter Schöne
Dad/Manager - Aris Argiris
Doreen/Frau/1.Kellnerin - Anne Katharina Thimm
Mum/ 2. Kellnerin/1. Sphinx - Christina Niessen

”Greek” besteht aus szenischen Fragmenten, die ähnlich der mündlichen vorsophokleischen Überlieferung weniger einem linearen Erzählstrang unterworfen sind, als einer assoziationsreichen Gleichzeitigkeit verschiedener Ebenen. Ähnlich wie Freud bedient sich Turnage nur noch weniger Elemente des Mythos, um eine aktuelle Aussage zu formulieren, die nur noch fragmentarisch mit der ursprünglichen Intension korrespondiert.



Eddy befindet sich stets im Dazwischen, Fixpunkte oder eine Richtung, wohin es gehen soll, sind kaum auszumachen.

Zentraler Aspekt des Stücks ist die schwierige Sozialisation Eddys in einer problematischen Gesellschaft und seine daraus entstehende radikale Entgrenzung. So liest sich die Geschichte Eddys als Versuch und Scheitern der Entwicklung einer stabilen Identität. In unserer Konzeption erzählt sich Eddy seine Geschichte, die die Suche nach einer eigenen individuellen Identität beinhaltet. Dabei ziehen Szenen aus seinem Familienleben wie Streiflichter an ihm vorüber, in seiner Erinnerung werden diese bis zur Unkenntlichkeit verzerrt und überzogen. Eddys unbändiger Veränderungwille zwingt ihn dazu, mögliche Lebensmodelle für sich durchzuspielen, die ihn letztlich nicht nachhaltig befriedigen können.


Entsprechend ist das Raumkonzept entwickelt: In einem Sackbahnhof wird eine Flughafenhalle gebaut - dies ist Transit, Schwelle, liminaler Raum.
Die soziale Prägung Eddys lässt ihn nicht aus hergebrachten Konventionen  ausbrechen und bestimmt ihn mehr und mehr.
Auf seiner Reise begegnet Eddy immer wieder Charaktermasken seiner Familie, diese stellen für ihn ein charakterliches Grundspektrum dar, welches seinen Gedankenexperimente von Vornherein Grenzen steckt. In der inneren Auflehnung dagegen erfindet er immer absurdere Wendungen seiner Geschichte, was im größten gesellschaftlichen Tabu gipfelt: Vatermord und Inzest.
In lezter Konsequenz schafft es Eddy nicht, bestimmte Denkmuster und Konventionen zu überwinden, weshalb seine Versuche, sich neu zu erfinden, letztlich scheitern.
Eddy rennt lachend zurück in die Normalität.


Kritik:

(ksd) schreibt auf www.opernnetz.de folgendes:

Das Auditorium schien vom Fach, offenbar viele Theaterleute, die sich untereinander kennen - ein hochinteressiertes Insiderpublikum. Zustimmender Applaus.

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